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Die Büste des Evangelisten Johannes

Jemand wollte diese Büste unbedingt retten! Also hat er sie entwendet und über den Bodensee nach Hagnau gebracht. Und jetzt ist sie wieder in Münsterlingen....

Aber mal langsam: Wie war das?
Ursprünglich stand die Büste des Evangelisten Johannes jedenfalls in der Kirche der alten Klosteranlage weiter unten am See, da wo jetzt die Kantonale Psychiatrie Münsterlingen ist.

Diese Kirche wurde nach der Reformation paritätisch genutzt. Das heisst: beide Konfessionen - Katholiken und Reformierte - benutzten die Kirche. Dazu wurde die Kirche geteilt: die Katholiken bekamen den Chorraum, die Reformierten das Kirchenschiff. So ganz “friedlich” war das Nebeneinander der Konfessionen aber wohl auch nicht....
Die Büste des Johannes stand offenbar im “falschen” Teil der Kirche und wollte “konfessionel gerettet” werden! So verhalf ihr ein eifriger “Helfer” zu Flucht auf die andere Seite des Sees. So landete sie in Hagnau. Das war etwa um 1548 (?).

Die damalige Zeit war durch ungünstige Wetterbedingungen, Missernten, Mangelernährung und dadurch ausgelöstes Krankheitselend nachhaltig gezeichnet. Den dadurch induzierten religiösen, politischen und wirtschaftlichen Macht- und Verteilungskämpfen war die Bevölkerung nahezu schutzlos ausgeliefert.
Der Austausch/ Handel von Gütern und -natürlich- besonders Lebensmitteln war im eingespielten Wirtschaftsraum “Bodensee” lebenswichtig. Um und über den Bodensee -ohne Ländergrenzen (die entwickelten sich erst später)- verliefen wichtige Handelsrouten.
1573 war es so kalt, dass der Bodensee zufror. Irgendwer kam dann wohl auf die Idee, sich mit einer Bittprozessionen auf “nicht zu dünnes Eis” zu begeben, und im Vertrauen auf Gottes Hilfe, das “Raubgut Johannes” wieder nach Münsterlingen zurückzubringen und um “Frieden und Ordnung” zu beten....
(Etwa alle 100 Jahre gibt es ein solche“Seegfrörne”. Die letzte war 1955?) Und so wandert die Johannesbüste - inzwischen auch ohne “Eiszeit” - immer wieder von “hüben nach drüben” und bekundet die historische Verbundenheit der Menschen dieser Region...

Ein Fest ist das allemal!

Seegfrörne
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